Vom treuen Pferd Lurdscha II



Marina hatte alles mit angehört. Sie eilte zu Lurdscha, und Lurdscha beruhigte sie, obwohl das Pferd wusste, dass Marina noch kein einziges Mal ohne Sattel geritten war.

„Halte dich nur ganz fest. Ich werde dir helfen.“ Lurdscha brauchte nicht einmal einen guten Reiter auf seinem Rücken, um selbst den Wind zu überholen. Seine Augen sprühten Feuer, als er mit Marina, die ohne Sattel auf seinem Rücken saß, das Pferd des Königssohnes überholte. Weit hinter ihm blieb der Königssohn mit seinem Schimmel zurück.

Enttäuscht kam der Prinz wieder zu seiner Mutter und sagte:

„Ich weiß nicht, ist ein Mädchen schön,

das ich zuerst im Wald gesehen,

in Kleidern eines Knaben,

wer weiß es, kann es sagen?“

Da riet ihm die Königin: „So führe unseren Gast in deine Gemächer. Behänge die Wände mit kostbaren Teppichen, lege Schmuck, Perlen und Edelsteine auf den Tisch und auf die Truhe Seide und Goldbrokat. Dann lade ihn ein, er möge sich ein Geschenk auswählen, und wir werden sehen.“ Der Königssohn wollte Marina in seine Gemächer führen. Aber Marina eilte in den Pferdestall: „Lurdscha, was gefällt einem Mann am meisten? Was soll ich wählen?“ „Nimm das Schwert“, antwortete Lurdscha. Und Marina griff im Gemach des Königssohnes zum Schwert, das an der Wand hing, griff nach ihm mit Bewunderung, zog es aus der Scheide und sagte: „Ein gutes Schwert, ein altes Schwert, flink und scharf. Seine Klinge ist wie eine Flamme.“ Die herrlichen Stoffe, Teppiche, Perlen, Vasen würdigte sie keines Blickes. Marina erhielt das Schwert, an dem ihr nichts lag, mit dem sie nicht umzugehen wusste. Der enttäuschte Königssohn aber ging zu seiner Mutter und sagte:

„Ich weiß nicht, ist es ein Mädchen schön.

das ich zuerst im Wald gesehen,

in den Kleidern eines Knaben,

wer weiß es, kann es sagen?

Die alte Königin dachte erneut darüber nach, wie sich das Rätsel lösen lasse. Lange dachte sie nach, und schließlich sprach sie: „Stellen wir unseren Gast noch ein letztes Mal auf die Probe. Fordere ihn auf, einen bis zum Rand gefüllten Becher bis zum Grund austrinken.

Einem Jüngling kann davon der Kopf nicht schwindeln.“ Als es Abend wurde, reichte der Königssohn Marina einen Becher mit schwerem Wein, bat sie, mit ihm auf Freundschaft für alle Zeit anzustoßen.

Nun stand es schlecht um Marina, die noch nie einen Tropfen Wein zu sich genommen hatte.

Nun konnte sie nicht nur die Lippen benetzen.

Sie musste den Becher bis zum Grunde leeren, wenn sie sich nicht verraten wollte.

Kaum aber hatte sie einen Schluck getrunken, drehte sich ihr Kopf, kaum hatte sie den Becher bis zur Hälfte geleert, fiel er ihr aus der Hand, und sie sank wie ohnmächtig zur Erde.

„Es war, wie du siehst, eine gute Probe“, sagte die alte Königin zu ihrem Sohn. Dann ließ sie zwei Mägde rufen. Die trugen das schöne Mädchen in sein Gemach und legten kostbare Kleider und mit Perlen besetzte Schuhe bereit. Als Marina die Augen aufschlug, sah sie sich erstaunt in dem Gemach um. Was war geschehen? Hatte sie nicht eben noch mit dem Königssohn einen Becher Wein geleert und auf Freundschaft für ein ganzes Leben getrunken? Da sah sie die kostbaren Kleider, die mit Perlen besetzten Schuhe. Und wie im Traum legte sie ihre Kleider ab, wie im Traum zog sie an, was die Mägde bereitgelegt hatten.

Und als sie ihr Haar gekämmt und die Spange hineingesteckt hatte, eilte sie in den Stall, ihrem treuen Pferd Lurdscha zu erzählen, was geschehen war. Uns als sie ihr alles erzählt hatte, seufzte das Mädchen: „Wenn ich nur wüsste, was nun aus mir werden soll!“

„Eine Braut“, sagte Lurdscha, und seine Augen sprühten, während er dies sagte, wie Feuer. Marina sah auf, lachte, strich über die weiche Mähne des Pferdes und lief ins Schloss

zurück. „Es sei, wie du es willst“, sprach sie zu dem überraschten Königssohn, „ich werde deine Frau.“ Und bald darauf war Hochzeit, die dauerte drei Tage und einen Tag dazu. Und es kamen alle, die geladen waren und auch die, die nicht geladen waren. Und für alle gab es reichlich zu essen und zu trinken. Als die Hochzeit zu Ende war, gingen die, die geladen waren und auch die, die nicht geladen waren, wieder nach Haus, und jeder dachte für sich:

„So eine Hochzeit gibt’s nicht alle Tage.“

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