Glücklich verbunden – Rassemixe


Mixe sind die Schmuddelkinder der Pferdewelt. Das haben sie nicht verdient, denn sie glänzen mit vielen positiven Eigenschaften. Ihre Erfolgsgeheimnisse heißen Heterosis und Charme – eine unschlagbare Mischung. Bei Cocktails steigt der Preis mit der Zahl der Zutaten. Bei Pferden ist es anders: je bunter das Gemisch, desto billiger das Produkt. Mischlinge haben den bösen Ruf der Taugenichtse. Angeblich sind sie unproportioniert, stur oder hypernervös, manchmal sogar krankheitsanfällig – beispielsweise, wenn die Kreuzung “Schwer x Leicht” eine Tonne auf Stelzenbeinen hervorzaubert.

Stimmen die Vorurteile? Wenn ja, dürfte es nicht so viele Mixe geben, die ebenso gesund und leistungsfähig sind wie Rassepferde. Ihre korrekte Zahl ist nirgendwo erfasst. Schätzungen lauten, dass etwa 20% aller Pferde in Deutschland keiner Rasse angehören und damit bei keinem Zuchtverband registriert sind. Oft entstehen die Wald-und-Wiesen-Mischungen zufällig, wenn ein übermütiger Hengst über einen wackligen Zaun hüpft und beim Decken auf die Papiere seiner Auserwählten pfeift.

Manchmal steht hinter den Mixen aber auch eine Zuchtmethode. Erfolgreichstes Beispiel sind die Aegidienberger. Am 24. September 1994 offiziell als Rasse anerkannt, verkörpern sie ein wohldosiertes Potpourri aus 5/8 Isländer und 3/8 Paso Peruano. Sie vereinen Größe, Eleganz und sicheren Tölt der Pasos mit Temperament und Robustheit der Isländer.

Bei solchen Kreuzungen ist das Ergebnis praktisch ebenso sicher kalkulierbar wie beim Nachwuchs der jahrhundertelang nach Plan durchgezüchteten und zur Veredelung oft mit Vollblut gemixten Warmblut-, Kaltblut- oder Ponyrassen.

In Deutschland darf jeder eine neue Pferderasse züchten, er darf dafür sogar sein eigenes Brandzeichen erfinden.

Dass ein Mix oft besser gelingt als seine Eltern, sich selber aber deutlich schlechter vererbt, beschreiben viele Pferdebesitzer. Der Grund liegt in den Genen und heißt Heterosis-Effekt: Bei den Mischlingen zweier reingezüchteter Rassen setzen sich dominante positive Eigenschaften eher durch, welche die Tiere größer, robuster und stärker machen.

Dieser Effekt wirkt aber nur in der ersten Generation (F1-Generation) der Nachkommen. Weitere Fohlen der Mischlinge (F2-Generation) werden dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit schlechter, schwächer und schmächtiger.

Wie stark sich der Heterosis-Effekt in der Pferdezucht auswirkt, lässt sich kaum beurteilen. Für Tomaten- und Schweinezüchter ist er ein beliebtes Mittel zur Ertragssteigerung; bei Pferden fehlen die Daten darüber. Aussagekräftige Experimente sind zu teuer, weil Pferde teurer sind als Tomaten. Hinzu kommt, dass Pferde sehr lange tragen und in der Regel nur ein Fohlen haben. Im Idealfall setzt sich auch bei Pferde-Mischlingen das Beste aus beiden Eltern durch. Aber man kann es nicht messen und damit nicht für die Züchter nutzbar machen.

Wie gut oder schlecht Hengst und Stute ihre Merkmale weitergeben, hängt von deren Erblichkeitsgrad (Heritabilität) ab. Am ehesten beeinflussen sie das Exterieur (zu 40-60%). Körpergewicht und Leistungsfähigkeit können Mutter oder Vater dem Fohlen nur bis zu 20% vererben, Krankheitsresistenz und Fruchtbarkeit höchstens zu 10%.

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