Witterungsschutz bei Freilandhaltung


Die ganzjährige Weidehaltung ist sehr umstritten. Wir möchten uns hierüber kein Urteil erlauben, wollen heute jedoch auf das besonders wichtige Thema Witterungsschutz eingehen. Diesbezüglich fanden wir einen Ausschnitt, aus der Empfehlung zur Freilandhaltung von Pferden. Herausgeber ist das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:

„5000 Jahre – und vielleicht auch schon länger – leben Menschen und Pferde zusammen: früher im Kriegsdienst und in landwirtschaftlicher Arbeit, heute im Sport und in der Freizeit. Mit der Freizeitnutzung und dem Wegfall der dringendsten wirtschaftlichen Zwänge wächst das Bedürfnis neue Erkenntnisse hinsichtlich des Verhaltens, der Unterbringung, der Pflege und des partnerschaftlichen Umganges mit dem Pferd zu erwerben. Pferdegerechte Haltungsbedingungen stellen die Grundlage für leistungsbereite, gesunde und zufriedene Pferde dar. Die Freilandhaltung kommt den Bedürfnissen des Pferdes in besonderem Masse entgegen. Allerdings müssen auch dabei bestimmte Voraussetzungen wie Schutz vor extremen Witterungsverhältnissen oder die richtige Standortwahl eingehalten werden. Die nachstehenden Empfehlungen sind von Pferdehaltern, Wissenschaftlern und Verbands- sowie Behördenvertretern unter Federführung des Tierschutzdienstes Niedersachsen erarbeitet worden. Umfassendes Sach- und Fachwissen wurde zu einem gut verständlichen Leitfaden zusammengestellt. Objektive, wissenschaftlich fundierte Kriterien geben Hilfestellung für die tierschutzfachliche Bewertung der ganzjährigen Freilandhaltung von Pferden. Dies ist umso wichtiger, als in den Wintermonaten immer wieder Kritik an der Weidehaltung von Pferden geübt wird.

Witterungsschutz

Pferde jeglicher Herkunft und Rasse suchen bei ungünstigen Wetterbedingungen (z.B. anhaltender Niederschlag verbunden mit Wind und niedrigen Temperaturen oder intensive Sonneneinstrahlung bei hohen Temperaturen) arttypischerweise einen Witterungsschutz auf. Dieses Verhalten resultiert aus einer Schadensvermeidung im Zusammenhang mit der Konstanthaltung der Körperkerntemperatur. Aus diesem Grund benötigen Pferde, die ganzjährig oder saisonal auf der Weide oder im Auslauf gehalten werden, unabhängig vom rassespezifischen Typ, einen Witterungsschutz. Beispielsweise hält der Islandpferdereiter- und – züchterverband nach Praxiserfahrungen mit deutschen Klimabedingungen einen Witterungsschutz sowohl im Sommer gegen Hitze, Sonne und Fliegen als auch im Winter gegen Niederschlag und eisigen Wind für zwingend erforderlich. Denn neben extrem niedrigen und hohen Temperaturen, die zu einer Unterkühlung bzw. Überhitzung führen können, gibt es weitere belastende Klimafaktoren. Hoher Niederschlag und auch hohe relative Luftfeuchtigkeit führen bei allen Pferden mehr oder weniger schnell zur Durchfeuchtung des Haarkleides. Dadurch wird seine isolierende Wirkung herabgesetzt, zusätzlich entsteht Verdunstungskälte. Hohe Windgeschwindigkeiten führen außerdem zu einer Auskühlung des Körpers. Ein kalter Boden erhöht durch Wärmeleitung die Wärmeabgabe beim Liegen der Tiere. Daher gehen auch die BML-Leitlinien davon aus, dass ein Witterungsschutz geboten werden muss oder die Pferde bei extremer Witterung oder Insektenplage in einen Stall zu bringen sind.

Ein Witterungsschutz ist nur dann nicht erforderlich, wenn die Tiere so kurzzeitig auf eine Weide oder einen Auslauf verbracht werden, dass länger andauerndes Unbehagen oder Schäden nicht auftreten können oder bei Vorliegen solcher Witterungsverhältnisse, bei denen die Tiere von sich aus keinen Witterungsschutz aufsuchen würden.

Natürlicher Witterungsschutz

Ein natürlicher Witterungsschutz kann aus Wald, Baum- oder Buschgruppen, Felsen oder ähnlichem bestehen, wobei der Schutz für jede extreme Witterung, jede Windrichtung und jede Jahreszeit gewährleistet sein sollte. So sind z.B. Laubbäume im Winter als Witterungsschutz unzureichend. Einzeln stehende Bäume schützen in der kalten Jahreszeit nicht genügend gegen Wind, sind im Sommer aber durchaus als Sonnenschutz geeignet. Sofern sich bei anhaltenden Niederschlägen im Bereich des natürlichen Witterungsschutzes Morast entwickelt, ist die Funktionalität nicht mehr gegeben. Erforderlichenfalls muss die Fläche von anfallendem Kot gesäubert werden. Insgesamt muss die Fläche des natürlichen Witterungsschutzes so groß sein, dass alle Tiere dort gleichzeitig Schutz finden können (Flächenbedarf entsprechend künstlichem Witterungsschutz, s.u.). Ein natürlicher Witterungsschutz kann in der kalten Jahreszeit nur dann als funktionssicher angesehen werden, wenn allen Tieren, unabhängig von der Rangordnung, ein trockener, windgeschützter Aufenthaltsbereich zur Verfügung steht. Zur Vermeidung unerwünschter Auseinandersetzungen sollte im natürlichen Witterungsschutz jede Fütterung unterbleiben.

Künstlicher Witterungsschutz

Ziehen Pferde frei in der Natur umher, nutzen sie Geländeformationen und -profile sowie Dickichte u. ä., die ihnen Schutz vor extremen Witterungseinflüssen bieten. Solche Möglichkeiten sind auf unseren üblichen parzellierten Weiden, Ausläufen oder Paddocks nur noch selten vorhanden. So gehen auch die Leitlinien davon aus, dass den Pferden bei Fehlen eines natürlichen Witterungsschutzes erforderlichenfalls ein geeigneter künstlicher Schutz angeboten werden muss. Die gelegentliche Beobachtung, dass Pferde einen künstlichen Witterungsschutz nicht annehmen, resultiert meist daraus, dass ein solcher Witterungsschutz den Bedürfnissen der Tiere nicht entspricht. Grundvoraussetzung für die Funktionssicherheit eines künstlichen Schutzes zur wetterbedingten Schadensvermeidung sind ein Dach und mindestens zwei Wände gegen die Hauptwetterseite. Die Fläche des künstlichen Witterungsschutzes muss so groß sein, dass alle Tiere dort, unabhängig von der Rangordnung, gleichzeitig Schutz finden können. In der kalten Jahreszeit muss den Tieren auch hier ein trockener, windgeschützter Aufenthaltsbereich zur Verfügung stehen.

Die Deckenhöhe des künstlichen Witterungsschutzes sollte mindestens 1,5 x Widerristhöhe betragen (für Neubauten zwingend), damit die Tiere sich nicht verletzen können.

Die Öffnungen sollten nach Süden oder Südwesten gerichtet sein. Als Standort wird ein vom Baugrund her möglichst trockener, erhöhter Platz gewählt. Rückwand und Seitenwände des Witterungsschutzes sollten nicht unmittelbar mit der Einzäunung abschließen, da Pferde sich je nach Witterung auch gern neben oder hinter der Schutzhütte aufhalten. Sinnvoll ist ein durch Dachüberstand gegen Regen und Sonneneinstrahlung geschützter Vorplatz.

Wird ein Witterungsschutz mit drei oder vier Wänden zur Verfügung gestellt, muss der Eingang so breit gewählt werden, dass ranghohe Tiere ihn nicht versperren und auch rangniedere den Schutz nutzen können. Ggf. müssen zwei, möglichst weit auseinanderliegende Eingänge geschaffen werden. Jeder Eingang sollte mindestens 2 m breit sein. Als Schutz vor starkem Wind und Schlagregen kann der Eingang in der kalten Jahreszeit mit einem Vorhang aus flexiblen Klarsicht-Kunststoffbahnen versehen werden, den die Tiere mit Kopf und Schulter beiseiteschieben können. Erfahrungen zeigen, dass Pferde diese Streifenvorhänge in kurzer Zeit akzeptieren. Die Eingewöhnungszeit kann dadurch verkürzt werden, dass zuerst einige Streifen des Vorhangs nach oben umgeschlagen und dort befestigt werden. Der Eingang in den Witterungsschutz sollte immer an einer Längsseite platziert sein, damit bei Auseinandersetzungen zwischen den Pferden das unterlegene Tier zur Tür hin flüchten kann.

Es hat sich gezeigt, dass Pferde einen angebotenen Witterungsschutz häufig dann nicht nutzen, wenn sie von ihm aus die Umgebung nicht ausreichend überblicken können. Dies ist besonders an solchen Standorten bedeutsam, an denen Störfaktoren wie landwirtschaftlicher Verkehr, Eisenbahnen etc. auftreten. An diesen Standorten kann ein nur zweiseitig geschlossener Witterungsschutz funktionsgerechter sein als eine an drei oder vier Seiten geschlossene Schutzhütte. Eine andere Möglichkeit ist es, die Wände mit Fensteröffnungen auszustatten. Diese sollten wegen der Verletzungsgefahr nicht mit Glasscheiben, sondern z.B. mit Windschutznetzen versehen werden. Windschutznetze gewährleisten eine gute Ventilation innerhalb des Witterungsschutzes und schützen zudem vor Zugluft. Schutzhütten werden i.d.R. ohne Wärmedämmung errichtet. Die Innentemperatur unterscheidet sich also kaum von der Außentemperatur. Eine leichte Dämmung der Dachfläche mildert die Aufheizung des Innern bei hohen Sommertemperaturen. Eine einfache Möglichkeit ist das Anheben kurzer Faserzementplatten o. ä. im Wellenberg mittels Dachplattenabstandhaltern. Im Winter wird dadurch entstandenes Kondensat sicher abgeführt und im Sommer eine intensive Luftzirkulation unter der Dachhaut erreicht. Ein ausreichender Luftwechsel wird normalerweise bereits über die Eingangsöffnungen sichergestellt. Bei Bedarf können zusätzlich Lüftungsschlitze unter den Traufen und im First oder eine sog. Spaceboard-Lüftung im oberen Wandbereich angebracht werden. Der Boden des Witterungsschutzes muss trocken und sauber sein, ggf. muss er planbefestigt werden. Um die Liegefläche trocken zu halten, sollte sie 15 bis 20 cm über dem umgebenden Gelände liegen. Wird der Boden mit Stroh oder Holzspänen eingestreut, so ist zu bedenken, dass Pferde diesen Untergrund sehr gerne zum Koten und Urinieren nutzen. Die Einstreu muss in diesem Fall regelmäßig erneuert werden. Abgerundete Bohlen (ca. 20 cm hoch) als Streuschwellen in den Eingängen verhindern, dass Pferde die Einstreu aus dem Innenraum nach außen treten. Als Bodenbelag können auch raue Holzbohlen oder wärmedämmende Gummi- oder Kunststoffmatten Verwendung finden. Diese Materialien werden von Pferden gerne zum Liegen angenommen. Ein Platz zum Abkoten und Urinieren kann außerhalb des Witterungsschutzes durch Strohaufschüttung eingerichtet werden (leichtere Reinigung!). Soll der künstliche Witterungsschutz gleichzeitig der Fütterung dienen, muss neben dem o. a. Flächenbedarf in Abhängigkeit von der Tierzahl zusätzliche Fläche geschaffen werden. Um Auseinandersetzungen innerhalb des Witterungsschutzes zu vermeiden, ist es jedoch empfehlenswert, Ruhe- und Fütterungsbereich voneinander zu trennen.

Als Futterplatz gut geeignet ist ein überdachter Bereich vor oder neben dem Witterungsschutz. Da sich die Tiere hier erfahrungsgemäß einen großen Teil des Tages aufhalten und in diesem Bereich vermehrt abkoten, empfiehlt es sich, den Boden zur leichteren Reinigung zu befestigen. Gerade die Fläche vor dem künstlichen Witterungsschutz ist einer erhöhten Trittbelastung ausgesetzt. Je nach Niederschlagsmengen und Bodenbeschaffenheit kann es erforderlich sein, diesen Bereich z.B. durch Rasengittersteine, groben Kies, Sand, Eichenrindenmulch oder Kunststoff-/Gummibodenbeläge aus dem Reitplatzbau zu befestigen. In jedem Fall ist eine Morastbildung in diesem Bereich durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden.

Ein Witterungsschutz kann in der kalten Jahreszeit nur dann als ausreichend angesehen werden, wenn allen Pferden gleichzeitig ein trockener, windgeschützter Aufenthaltsbereich zur Verfügung steht. Fehlt ein natürlicher Witterungsschutz, muss erforderlichenfalls ein künstlicher Schutz angeboten werden. Grundvoraussetzung für die Funktionssicherheit eines künstlichen Schutzes sind ein Dach und mindestens zwei Wände gegen die Hauptwetterseite.

Kommentar schreiben

Kommentar

llc ta | am 29. Dezember 2010 um 05:36 Uhr

If you are open to having a guest blog poster please reply and let me know. I will provide you with unique content for your blog, thanks.


Diese Artikel könnten Sie auch interesssieren

Teresa Krüger – Equestrian Sport Erlangen

Teresa Krüger – Equestrian Sport Erlangen

2003 hatte ich meinen ersten Reitunterricht bei Eberhard Weiß. Ein international tätiger Reitlehrer, ehemaliger Reitschüler von E.v Neindorff. Er bildet pferdegerecht aus und gibt Reiter und Pferd ...

HEILSAMES mit PFERDEN

HEILSAMES mit PFERDEN Trainings- und Seminareinheiten zur Persönlichkeitsentwicklung

Pferde sind Vorbilder der Lebenskraft Durch ihr Verhalten uns gegenüber können wir uns erkennen. Sie zeigen uns was ich ändern oder verbessern muss....

Buck - Der Film

Buck – der wahre Pferdeflüsterer – demnächst im Kino

Mehr als ein Jahr begleitete die Filmemacherin Cindy Meehl den ‚natural horseman’ Buck Brannaman quer durch die USA und Europa. Entstanden ist dabei ein naturgewaltiger Film und das sensible Portr...

www.nina-herr.de

Nina Herr – Fotografie aus Leidenschaft

Die Verbindung von Mensch und Tier war schon immer eine ganz besondere. Jeder, der einmal mit Tieren zu tun hatte, wird sie nicht mehr loslassen wollen. Jede Beziehung erzählt eine ganz andere Geschi...