Wanderreiten – Gastartikel von Sabrina Ostfalk, der Gewinnerin unserer letzten Rätsel-Frage:



Rundritt im Fichtelgebirge, 3 Tage, 96km

Dieser Ritte war wieder mal eine reichlich spontante Unternehmung zu zweit. Die Planung des Rittes kam wieder von Sabrina, da ich den Kopf noch in der Arbeit hatte. Nachdem wir bereits im Jahr zuvor zu Pferd bis zum Rand des Fichtelgebirges vorgestoßen waren, wollten wir es uns dieses Mal genauer ansehen. Deshalb sparten wir uns auch die 2 Tage Anritt, warteten bis keiner hinsieht und fuhren schnell mit dem Hänger direkt ins Fichtelgebirge. Auf einem verlassenen Parkplatz mitten im Wald stellten wir das Gespann ab und sattelten unsere Pferdchen, die sichtlich froh waren, den Wackelkarton verlassen zu dürfen.

Tag 1: Bischofsgrün – Tröstau

Bei angenehmen Sonnenschein ging es dann ganz gemütlich los, zum Aufwärmen um den Ochsenkopf herum anstatt mittendrüber. Bald standen wir vor der ersten Hürde:

Eine Geisterbahn – ähm, eine gruselige Gondelbahn, die über den Weg führte und den Pferden außerst suspekt erschien. Dieses Hindernis tapfer unterwunden ging es dann unbehelligt durch den Wald, wo es nur noch eine Begegnung mit einem plätschernden Brunnen gab, der Blakkur zum Trinken inspirierte und Gina zur Flucht. Dekoriert wurde der Wald dann auch noch von einem malerischen kleinen See, wo wir die anfangs vergessenen Vorher-Bilder der Wanderer machten.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Weiter ging es hinunter zum Fichtelsee. Dort wollten wir vorsichtig ein paar Schritte hineinreiten, um zu testen ob die Pferde auch willig ins Wasser gehen – und hatten plötzlich alle Hände voll zu tun, die übermütigen Plantschpferde von einem Vollbad samt Gepäck und Reiter abzuhalten. Nachdem wir wieder auf trockendem Boden waren, fanden wir am Ende des Sees ein malerischeres Plätzchen mit Picknicktisch und einem mangelhaft gemähten Stück Gras für die Pferde. Ideal für unsere Mittagspause. Vielleicht sogar etwas zu ideal, zumindest sind wir dort über eine Stunde beim Sonnenbaden hängen geblieben.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Frisch gestärkt ritten wir weiter und kamen zunächst gut vorwärts. Dann stellte sich allerdings heraus, daß unser geplanter Weg einem mittelgroßen

Straßenneubau zum Opfer gefallen war und wir statt einer Straßenüberquerung vor einem steilen Damm standen, der von einer durchgehenden Leitplanke gekrönt war. Der Umweg führte uns über ein Dreieck stark befahrener Bundesstraßen, doch dank unerschrockener Pferde konnten wir durch den Verkehr problemlos navigieren. Danach entschädigte uns ein verlassenes Tal schnell wieder für die Mühen, in dem uns verwundene Wege zur Gaststätte Silberhaus führten. Weiter ging es über einen Hügelrücken, der von einigen interessanten Felstürmen geziert wird. Die interessanteste Formation davon ist der Prinzenfelsen, wo wir unseren Pferden eine Pause gönnten und die Aussicht genossen. Eine Tafel erzählte davon, daß der Fels eigentlich Girglfelsen heißt, aber dann vom Fremdenverkehrsverein in Prinzenfels umbenannt wurde, um ihn touristisch interessanter zu machen. Hat aber an der Aussicht nichts geändert.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Unser Weg führt uns um die Flanke der Hohen Matze herum und wir konnten unser Tagesziel Tröstau schon erkennen. Dorthin zu gelangen war aber wieder eine ganz andere Geschichte, nachdem die Wege allesamt unter einem Golfplatz begraben worden waren. Wir irrten eine Weile an dessen Rand erfolglos umher und waren schon kurz davor, eine Runde Polo auf dem Rasen zu spielen, als wir doch noch einen versteckten Umweg gefunden haben, den die Golfer beim Einebnen wohl irgendwie übersehen hatten. Auf dem ging es dann am Clubhaus vorbei in die Ortschaft. Erneut wähnten wir uns am Ziel, konnten sogar schon den Stall sehen, doch leider befand sich dazwischen noch ein grade ausreichend breiter Bach, um nicht rüberzukommen. Also machten wir uns noch zu einer schnellen Ortsbesichtigung auf, verloren allerdings an der ersten Brücke spontan wieder das Interesse und marschierten darüber zielstrebig zum Stall. Unterkunft fanden wir bei einer Bekannten von Sabrina, die dort ihre kleine Privatranch mit zwei Pferden, einigen Ziegen und Meerschweinchen und jeder Menge Hühner und Enten stehen hat. Eine kleine Komplikation ergab sich noch beim Koppelzaun, die Litze war so hoch angebracht, daß ein Isi ihn nicht als Hindernis erkennen konnte. Aber das ließ sich mit einer zusätzlichen Reihe beheben.

Tag 2: Tröstau – Mechlenreuth

Der zweite Tag brachte uns gleich zu Beginn einen Lachanfall ein. Wir begegneten einem ausgeschilderten Radweg, bei dem der Zugang für Fahrräder massiv verbaut war. Wenigstens hatte der Wahnsinn auch Methode, solche Sperren gab es auf diesem Weg gleich vier mal. Gina hatte ihr Verhältnis zu Brunnen überdacht und steurte nun bei jedem Plätschern die potentielle Erfrischung zielstrebig an.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Wieder im Wald machten wir einen kleinen Abstecher, um stillgelegte Steinbrüche zu besuchen. Auch wenn die Wege stark zugewachsen und nicht immer einfach waren, hat sich dieser Umweg gelohnt, die mit Wasser vollgelaufenen Brüche waren ein Erlebnis. Besonders faszinierend war die Tatsache, daß der Steinbruch vor weniger als 50 Jahren noch in Betrieb war – so wie alles verfallen und von der Natur zurückerobert worden war, fühlte man sich aber eher ins Mittelalter zurückversetzt.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Danach war der gemütliche Teil vorbei und es ging an die Kondition – zumindest für die Pferde. In einem langen, steilen Anstieg ging es die erste Etappe zum Schneeberg hinauf. Oben angelangt war dann erst mal eine wohlverdiente Pause fällig – wobei sich allerdings das Gras als deutlich wichtiger herausstellte als das Verschnaufen. Der weitere Weg oben war zwar eher flach, aber mit zahlreichen großen Steinen eher für Bergziegen gemacht. Die Pferde nahmen sie mit Bravour – streckenweise zum großen Erstauen der entgegenkommenden Wanderer. Nur an einer Stelle, wo enge Treppen in den Fels geschlagen waren, mußten wir umkehren. Der Alternativweg schlängelte sich durch’s Unterholz und an mächtigen Felsen vorbei und stellte sich als mindestens ebenso reizvoll heraus. Schließlich erreichten wir den Gipfel des Schneeberges und es war wieder Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Von dem Aussichtsturm bot sich wieder eine schöne Rundumsicht – sofern man es schaffte, die potthäßlichen Militäranlagen direkt vor der Nase ebenso effektiv zu ignorieren wie das die Pferde taten.

Nach dem etwas eintönigen Abstieg vom Schneeberg ging es im weiteren Verlauf an der Seite des Waldstein entlang, auf angenehm weichen Wegen die dazu einluden, die Pferde auch mal nach Herzenslust laufen zu lassen. Heute ging es um den Waldstein herum, um den Pferden weitere Höhenmeter zu ersparen und durch das flache Land Richtung Tagesziel weiter. Dort wurde der Raps-Junkie Sabrina zum Opfer ihrer Sucht: Sie berauschte sich solange am Duft der blühenden Rapsfelder, bis es ihr sichtlich zu den Ohren herauswuchs. Den Tag beschlossen wir in der Wanderreitstation von Reinhard Schaller. Der war gut gelaunt und ließ es sich nicht nehmen uns nicht nur für den nächsten Tag mit Routenvorschlägen und Geheimtipps für Reitwege zu versorgen, sondern fuhr uns sogar nochmal eine Runde durch die Gegend, damit wir sie auch ganz sicher finden.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Tag 3: Mechlenreuth – Kornbach – Bischofsgrün

Am nächsten Tag ging es erneut bei strahlendem Wetter los. Wir hatten am Abend vorher gut aufgepaßt (und vorsichtshalber alles mit GPS aufgezeichnet) und so fanden wir diesmal unseren Weg auf versteckten, galoppverdächtigen Pfaden und aufgelassenen Bahndämmen zurück zum Fichtelgebirge. Auf Reinhards Empfehlung ging es hinauf auf den Waldstein, wo er uns einen guten Pferdeparkplatz beschrieben hatte. Dort oben lockte die Burgruine Rotes Schloß – und natürlich wieder eine Bombenaussicht.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Der nächste Insidertipp führte uns nach Kornbach, wo an diesem Tag die restaurierte Viehwaage gefeiert wurde. Reiter aus der ganzen Umgebung hatten ihre Rösser hergebracht um sie in alter Manier wiegen zu lassen. Das Ganze war sehr schön organisiert mit Anbindebalken und Sattelständern rings um den Platz herum. Wir waren allerdings die einzigen mit schwerem Marschgepäck. Dort trafen wir auch Reinhard wieder, der auf direktem Weg hingeritten war. Blakkur interessierte sich überhaupt nicht für die Waage und auch Gina stieg nach kurzem Zögern auf die Plattform. Bald hatten wir dann auch unsere Pappstreifen in der Hand und wissen jetzt daß Blakkur 377kg und Gina 509kg auf die Wage bringen. Mir wurde klar, daß ich mal wieder duschen sollte, als ich von einem anhänglichen Schmetterling für eine Blume gehalten wurde. Ein wenig Gras und zwei Bratwürste später ging es dann auf die letzte Etappe unseres Wanderrittes.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Von den örtlichen Reitern mit weiteren Wegetipps ausgestattet machten wir uns auf den Weg. Auf schönen Wegen ging es flott zu einer der vier Flußquellen im Fichtelgebirge, der alten Egerquelle. An diesem gemütlichen Ort mit praktischen Anbindemöglichkeiten rasteten wir ein letztes mal.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Ganz besonders Blakkur zeigte uns fortgeschrittene Entspannungstechniken.

Rundritt im Fichtelgebirge

Rundritt im Fichtelgebirge

Kurz danach hatten wir dann noch die Gelegenheit, uns ein Rennen mit zwei Mountainbikern zu liefern. Wenn es gerade bergab ging und wir im Schritt waren, konnten uns die Radler lässig überholen. Wenn es aber bergauf ging oder Bäume über den Weg lagen, sahen die Radler nur noch unsere Pferde mit dem Schweif winken. Für das letzte Stück hatten wir uns auf der Karte einen kleinen Weg durch ein Bachtal ausgesucht. Leider erwartete uns dort eine kleine Fußgängerbrücke, die nicht so aussah, als ob sie 377kg oder gar 509kg tragen könnte. Der sumpfige Boden machte eine Umgehung unmöglich, also mußten wir wieder aus dem Tal klettern und uns auf den bedeutend weniger interessanten Weg über die Straße machen. Während wir vergeblich auf Wegsuche waren, hatten sich am Himmel hinter uns drohende Wolken zusammengebraut, so daß wir es auf dem letzten Stück zum Hänger sehr eilig hatten und immer mit einem Auge auf dem Weg und einem zum Himmel galoppierten. Wir wollen jetzt nicht behaupten, unsere Pferde wären schneller als der Wind, aber es ist eine Tatsache, daß wir den Parkplatz erreichten gerade als die ersten Tropfen fielen. Beim Absatteln dürften wir einen neuen Weltrekord aufgestellt haben und die Pferde sind förmlich in den Hänger gesprungen. Genau in dem Moment, als die Hängerklappe sich schloß, ging draußen ein mörderischer Wolkenbruch nieder, so daß sowohl Pferde als auch Reiter die nächste Viertelstunde kuschlig im Hänger verbrachten. So kam unser entspannter Fichtelrundritt noch zu einem furiosen Finale.

Ein großer Dank für diesen tollen Bericht und die wundervollen Fotos geht an die Gewinnerin unserer letzten Rätsel-Frage:

Sabrina Ostfalk

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