
Rückenprobleme und Kissing Spines – Woher sie kommen und was man dagegen tun kann!
Meist beginnt es so:
Das Pferd lahmt, aber der Tierarzt kann nichts finden. Im Schritt geht es Pass, im Trab ist das Pferd zügellahm, der Galopp ist kein korrekter Dreitakt mehr. DieÜbergänge sind nicht fließend. Die Lektionen führt das Pferd nur noch unwillig aus, viele Pferde klemmen nach dem Aufsteigen, beim Satteln zeigen sie Sattelzwang, beim Putzen sind sie im Rücken empfindlich.
Dann kommt die Zeit, dass sich das Pferd zu Beginn des Reitens erst „einlaufen muss“, die Hinterbeine treten nicht mehr unter den Schwerpunkt, die Hinterhand ist eher nach hinten heraus gestellt. Eine korrekte Anlehnung ist nicht mehr gegeben. Alles erfolgt mit immer mehr Kraft und Druck durch den Reiter. Viele Pferde werden in dieser Phase unwillig oder widersetzlich, Buckeln, Steigen, denn sie haben Schmerzen.
Man ruft abermals den Tierarzt und dann kommt die Diagnose: Erste Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder sogar schon Kissing Spines!
Wie eine Breitseite trifft es einen…
Aber man hat doch alles richtig machen wollen, was war denn nur falsch?
So werden viele Pferdebesitzer gedacht haben, als ihnen die Diagnose vom Tierarzt mitgeteilt wurde, dass ihr Pferd einen irreparablen Schaden an der Wirbelsäule hat.
Und jetzt?
Wir könnten es uns bequem machen und behaupten, dies liege an den so empfindlichen Zuchtlinien. Die heute gezüchteten Reitpferde nehmen uns Reitern durch ihre Sensibilität, ihre hohe Rittigkeit und ihre exzellenten
Reitpferdeeigenschaften (leider) so viel ab. Viele glauben, nicht mehr so sorgsam reiten zu müssen, um die Qualität des Pferdes zu erhalten respektive sie zu fördern oder um beim Reiten überhaupt Losgelassenheit zu erreichen. Hinzu kommt, dass immer mehr Reiter auf die eigentliche Basisarbeit die Dressur verzichten.
In den allermeisten Fällen entwickeln sich Kissing Spines und andere Rückenprobleme des Pferdes durch fehlerhaftes Reiten und Ausbilden: mit zu viel Handeinwirkung, zu viel Aufrichtung, zu hohem Tempo oder permanentem Untertempo, zu wenig Aktivität aus der Hinterhand, falsch verstandener oder keiner Anlehnung, zu wenig Gymnastizierung. Das Ergebnis sind entweder „auseinandergefallene“, auf die Vorhand gerittene Pferde ohne korrekte Grundausbildung oder aber Pferde, die permanent „oben dran“ gestellt „um ihr Leben strampeln“.
Ein weiteres Problem ist heute die Eile in der Ausbildung, die es den Pferden schwer macht, gesund zu bleiben. Pferde sind in jungen Jahren massiv überfordert, müssen sich häufig einem übersteigerten Erfolgsdruck fügen. Die Remonte war früher vier bis fünf Jahre alt, wenn sie unter den Sattel kam. Die Knochen und Gelenke waren dann schon viel stabiler und gefestigter als sie es mit drei Jahren (das heute übliche Alter zum Einreiten) überhaupt sein können. Man ließ sich Zeit bei der Arbeit an der Longe und half dem Pferd damit, die notwendige Basismuskulatur aufzubauen, um später das Reitergewicht ohne Schaden tragen zu können. Nach dem ersten Einreiten ging es ins Gelände. Die Pferde wurden nicht wie heute schon fast üblich auf aufwendige Bewegungen gedrillt oder in der Halle mit der Nase vor der Brust „abgerichtet“, sondern durften in zwangsloser Selbsthaltung in allen Gangarten laufen. Ziel war, Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und Gelenke zu stabilisieren, die Schwungentwicklung zu fördern und die natürliche Qualität der Grundgangarten zu erhalten. Man begann mit Zügel aus der Hand kauen lassen in den drei Grundgangarten, ersten großen gebogenen Linien und nur grundlegenden Übungen und Lektionen. Die Fähigkeit, das eigene Gleichgewicht zu finden, ergab sich durch diese Ausbildung fast nebenbei. Erst nach rund zwei Jahren, wenn das Pferd gefestigt war, begann die wirkliche Arbeit in der Dressur. Dressurarbeit durchlief jedes Pferd, um erst danach seiner entsprechenden Spezialisierung zugeführt zu werden.
Dieser Weg wird heute kaum noch gewählt – weil er zu viel Zeit kostet und zu viel Geld. Ein Fünfjähriger, der nicht mehr kann als im Gelände bergauf und bergab zu laufen, der nicht mindestens L-Dressur-Lektionen beherrscht oder mindestens ein LSpringen gegangen ist, ist eigentlich nichts wert.
Das Ergebnis dieses übersteigerten Erfolgsdrucks sind: steife, verkrampfte und fehlbemuskelte Pferde. Es entstehen Sehnenschäden, Fesselträgerentzündungen, Kissing Spines, Genickschäden, Nackenbandreizungen, Entzündungen, psychische Probleme und viele weitere Befunde, die oft schon in den ersten Ausbildungsjahren zu irreparablen Schädigungen führen.
Sind Rückenprobleme oder Kissing Spines erst einmal vorhanden, ist spätestens dann der richtige Zeitpunkt gekommen, um etwas zu ändern, und das heißt:
- neue Wege zu gehen,
- Dinge anders zu machen als bisher,
- Dinge anders zu machen als andere,
- auch einmal „NEIN“ zu sagen,
- (scheinbar) althergebrachte Methoden zu hinterfragen.
Denn Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder Kissing Spines sind irreparabel und für das Pferd ein nicht mehr heilbarer Schaden, der mit großen Schmerzen verbunden sein kann!
Ein solcher Befund ist allerdings kein Weltuntergang. Man muss jetzt nur anders an die Dinge herangehen.
Und das heißt: die Grundlagen zu schaffen, damit es für die Zukunft wieder funktionieren und das Pferd ohne Schmerzen leben und geritten werden kann.
Dazu gehören:
- ein schmerzfreies Pferd, was manchmal im ersten Schritt nur mit Hilfe vonentzündungshemmenden Mitteln zu erreichen ist. Denn nur ohne Schmerzen kann man an den so notwendigen Muskelaufbau denken.
- die Unterstützung durch einen guten Osteopathen, der die Grundmobilität wiederherstellt und entsprechende Übungen vermittelt, damit man als Reiter oder Besitzer sein Pferd für die Zukunft elastisch halten kann.
- korrekt gestellte Hufe und / oder Beschlag,
- der für Reiter und Pferd passende Sattel,
- ein möglichst korrekt sitzender Reiter, der zum Sitzen und zum Treiben kommt.
- die Schwungentwicklung aus der Hinterhand, korrekte Anlehnung und eine Nase, die an die Senkrechte gehört!
Haben Pferde Rückenprobleme oder Kissing Spines, dann verändert sich mit der Zeit die Muskulatur. An den notwendigen Stellen wird sie abgebaut und zur Kompensation an den falschen Stellen aufgebaut. Das führt dazu, dass sich das Pferd vom Erscheinungsbild verändert.
Am folgenden Fotovergleich sieht man deutlich, wie unterschiedlich Rücken aussehen können:

Die Pferde auf den Fotos 2 und 4 haben massive Rückenprobleme. Aus diesem Grund erinnert die Oberlinie sehr an eine Hügellandschaft und der Rücken ist nach unten abgesunken.
Bild 1:
17-jähriger Wallach, gute Rückenmuskulatur unverkrampft und breit ausgebildet. Der Rücken ist oben.
Bild 2:
7-jähriges Pferd, sehr schlechte Rückenmuskulatur, der Rücken wirkt kantig und hügelig. Rücken sinkt ab.
Bild 3:
4-jähriger Wallach, roh, noch schwach entwickelte Rückenmuskulatur. Der Rücken ist oben.
Bild 4:
11-jähriges Pferd, durch über Jahre falsches Reiten ist der Rücken stark nach unten abgesunken, der Rücken ist kantig und schlecht bemuskelt.Der Widerrist steht hinaus wie ein Horn.
Nachdem der Sattel passt, die Hufe korrekt gestellt sind, der Rücken schmerzfrei ist, sollte ein Osteopath Blockaden beseitigen und eine erste Grundmobilität wieder herstellen. Bei den Osteopathen ist es wie bei den Ausbildern, einen wirklich guten zu finden, ist nicht einfach.
Einen guten Osteopathen erkennt man an folgenden Dingen: Die erste Behandlung sollte mindestens 1 ½ Stunden dauern. Der Osteopath sollte sich das Pferd an der Hand vorführen lassen, sich die Fußfolge in Schritt und Trab genau ansehen, dass Pferd an der Longe am Halfter links und rechts herum vorführen lassen, enge Wendungen gehen lassen, die einzelnen Schritte der Behandlung und seine gemachten Beobachtungen genau erklären können.
Bei der Behandlung sollte er sich nicht nur auf den Rücken reduzieren, sondern alle Gelenke und Strukturen im Körper des Pferdes checken. Auch nach den Zähnen schaut der gute Osteopath. Wenn da etwas nicht in Ordnung ist, ist das Pferd in Kiefer und Genick verspannt. Er sollte vorsichtig mit dem Pferd umgehen, Ruhe vermitteln, damit das Pferd entspannen kann. Bei Pferden mit Rückenproblemen oder Kissing Spines können die ersten Behandlungen schmerzhaft sein.
Nach der Behandlung sollte er das Pferd auf die Weide entlassen und nicht die Auflage machen, es für einige Tage in der Box einzusperren oder gar anzubinden. Da es mit einer osteopathischen Behandlungen nicht getan ist, sollte einem der Therapeut verschiedene Übungen zeigen und diese als quasi tägliche Hausaufgabe bis zur nächsten Behandlung mitgeben
Dazu gehören das Aufwölben lassen des Rückens, ggf. das Lockermachen der Halsfaszie, Schweifdehnen, Möhren an der Hinterhand abholen lassen, den Widerrist bewegen, das Becken kippen und ähnliches. Die erste Nachbehandlung sollte je nach Situation 3-4 Wochen nach dem ersten Termin erfolgen.
Der Freilauf ist für ein Pferd mit Rückenproblemen oder Kissing Spines sehr wichtig. Denn je mehr Bewegung das Pferd hat, umso schneller können sich auch Verspannungen lösen. Ein dunkler Stall, wenig Bewegung machen die Situation für das Pferd nicht leichter. Auch bei der Fütterung kann man unterstützend eingreifen. Der Markt bietet heute vielfältige Möglichkeiten, durch Zugabe von Vitaminen und Mineralien, die muskuläre Entspannung zu unterstützen. Je nach Situation ist das mit dem Tierarzt abzusprechen.
Wenn eine Grundentspanntheit erreicht ist, geht es an den Aufbau der Muskulatur. Oft ist es notwendig, dazu mit Longieren zu beginnen.
Was das Longieren betrifft, gibt es sehr unterschiedliche Vorgehensweisen. Die einen longieren ausschließlich mit Kappzaum. Die Pferde sind dabei nicht ausgebunden, traben und galoppieren meist „auseinandergefallen“ auf der Vorhand im Kreis, was für den Muskelaufbau nichts bringt, denn das Hinterbein ist dabei im allgemeinen wenig aktiv.
Wieder andere verwenden starre Ausbinder oder gar den Zügel und vergessen dabei, wie groß die Belastung auf Maul und Genick ist. Zügel geben nicht nach, Ausbinder so gut wie gar nicht. Dem Pferd wird beim jeden Tritt einen Schlag ins Maul und in das Genick versetzt. Das sorgt weder für Losgelassenheit, noch traut sich das Pferd, an das Gebiss heranzutreten oder gar sich zu entspannen.
Ich persönlich longiere am liebsten mit einem Dreieckszügel. Dabei wird dieser so lang geschnallt, dass sich das Pferd an der Longe in die Tiefe strecken kann. Die Nase kann dabei vor die Senkrechte Höhe Buggelenk in Dehnungshaltung kommen. Sollte man wie ich mit Dreieckszügeln longieren, ist darauf zu achten, dass sie so verschnallt sind, dass das Pferd – sollte es übermütig sein – nicht in die Dreieckszügel hineinspringen kann. Das kann zu Verletzungen führen. Darüber hinaus sind Handschuhe und festes Schuhwerk Pflicht. Eine Longierpeitsche dient nicht dazu, das Pferd zu strafen, sondern dafür, das Hinterbein aktiv zu halten und ein mögliches Umdrehen des Pferdes an der Longe zu verhindern. Es gibt Pferde, die in Schmerz-/Stresssituationen an der Longe bocken oder steigen und dann auf dem Absatz kehrt machen. Das kann man mit Hilfe der Peitsche verhindern.
Neben dem korrekten Longieren, hilft auch die Arbeit an der Hand. Hierbei kann man erste Lektionen wie Kurzkehrt, Schulterherein, Halten Rückwärtsrichten, daraus anführen und wieder Rückwärtsrichten üben. Zum einen helfen diese Übungen, Muskeln zu lockern und zum anderen kann sie das Pferd mit Unterstützung der Stimme schon einmal verinnerlichen. Später unter dem Reiter lernt das Pferd schnell, das Kommando mit der Hilfe zu verbinden. Wenn man die Arbeit an der Hand selbst nicht beherrscht, sollte man sich professionelle Unterstützung suchen. Dem Ausbilder sollte man dann erklären, dass es nicht um Piaffe und Passage geht, sondern um die Grundlagen des Lösens bei der Arbeit an der Hand. Die Arbeit an der Hand ist eine gute Ergänzung zur Arbeit unter dem Sattel, aber Fehler machen mehr kaputt als es bringt.
Beim Reiten selbst heißt es, zu den Grundlagen zurück zu kehren.
Dazu gehört als eine der wichtigsten Übungen überhaupt die man bei jedem Training und auch bei jedem Ausbildungsstand immer wieder einbinden sollte: das Zügel aus der Hand kauen lassen.

Falsch verstandenes und falsch ausgeführtes Zügel aus der Hand kauen lassen. Im Hals zuvieln nach links gestellt, stark verworfen im Genick, in sich schief. Hinterhand nach hinten geraus gestellt.
Um das bis zur Perfektion zu üben, bietet sich auch die Arbeit im Gelände an. Ob auf großen gebognen Linien, ob auf langen Wald- oder Wiesenwegen, Zügel aus der Hand kauen lassen ist ein unverzichtbares Werkzeug, das jeder Reiter beherrschen sollte und jedes Pferd erlernen muss.
Das Pferd lernt, den Rücken herzugeben, aktiv mit dem Hinterbein abzufußen, an die Hand heran zu treten und alle Muskeln korrekt zu belasten. Darüber hinaus kann es sich entspannen. Bei korrekt gerittenem Zügel aus der Hand kauen lassen kommt das Pferd in eine Dehnungshaltung, bei der sich die Nase Höhe Buggelenk an der Senkrechten oder idealerweise noch ein wenig davor befindet. Das Pferd tritt dabei aktiv mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt und der Rücken des Pferdes kommt zum Schwingen (man sagt auch, der Rücken ist hergegeben). Bei einem korrekt ausgeführten Zügel aus der Hand kauen lassen werden alle Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke im Körper des Pferdes korrekt belastet, Verspannungen gelöst, innere und äußere Losgelassenheit erreicht.
Da Zügel aus der Hand kauen lassen ein Kriterium für die korrekte Ausbildung eines Pferdes ist, sollte es zu den ersten Übungen gehören, die man in der Bahn wie im Gelände immer wieder einbindet und zwar nicht nur zu Beginn und zum Ende des Trainings, sondern auch zwischendurch.
Noch vor 50-60 Jahren war es selbstverständlich, dass beim jungen wie beim alten Pferd während des Trainings mehrere Mal über ein paar Minuten Zügel aus der Hand kauen lassen geritten wurde. Dabei kann und konnte sich das Pferd strecken, entspannen. Verspannungen, Rückenprobleme und Folgeerkrankungen gab es viel weniger als heute und das, obwohl die Pferde zu dieser Zeit bei weitem nicht die Rittigkeit aufwiesen, die für uns heute so selbstverständlich geworden ist. Der Rücken ist das Bewegungszentrum des Pferdes. Ist dieser verspannt, kommen wir weder zum Sitzen, noch zum Treiben, noch können Lektionen korrekt ausgeführt werden. Das scheint heute mehr und mehr vergessen zu werden.
Ob bei der Arbeit im Gelände, auf dem Platz oder in der Halle, es gilt immer:
· Habe ich mich mit der Versammlung beschäftigt, muss danach ein Zulegen und ein Zügel aus der Hand kauen lassen erfolgen!
· Habe ich Lektionen geritten, sollte das Rauskauen lassen danach als Entspannung dienen!
· Schrittpausen während des Trainings und zum Abschluss dienen zum Zügel aus der Hand kauen lassen bis zur Schnalle.
Früher ging man sogar soweit, dass die junge Remonte fast ausschließlich am längeren Zügel geritten wurde und das über den Zeitraum des ersten, teilweise zweiten Ausbildungsjahres. Das vermied Verspannungen. Die Qualität der
Grundgangarten blieb erhalten, konnte darüber sogar verbessert werden. Ausschließlich ältere Pferde mit entsprechendem Ausbildungsstand wurden mit kürzeren Zügeln und in Aufrichtung geritten und auch das nur phasenweise. Im versammelten Schritt, versammelten Trab und versammeltem Galopp mit gesenkter Hinterhand und in korrekter relativer Aufrichtung. Die Pferde beherrschten irgendwann alle Lektionen, die wir heute in den höheren Ausbildungsklassen sehen. Nur vermutlich war die Ausführung der Lektionen früher bedeutend losgelassener als
heute….

Korrektes Zulegen und Einfangen, bei dem die Nase vor kommt, unterstützen die Losgelassenheit des Pferdes und sorgen dafür, dass es erst gar nicht zu Rückenproblemen kommt.
Beherrscht man ein Zügel aus der Hand kauen lassen, gehören auch Übergänge und Tempounterschiede (Zulegen und Einfangen) zu sinnvollen und gut nutzbaren Trainingsfolgen. Dabei wird der Rücken locker, das Hinterbein aktiv und das Pferd konzentriert sich auf den Reiter. Beachtet man dabei die stete und feine Anlehnung, sind Sitz und Einwirkung korrekt, sind Übergänge und Tempounterschiede ideal, um Rückenprobleme zu beseitigen.
Große gebogenen Linien, Zirkel und das Reiten von Achten in der Lösungsphase verbessern nicht nur die Rippenbiegung, sondern unterstützen auch die Geraderichtung. Auch helfen sie dem Pferd, an den äußeren Zügel heranzutreten. Dabei ist es wichtig, dass die äußere Hand soweit vorgeht, dass die Stellung des Halses zugelassen wird, die Verbindung muss jedoch erhalten bleiben. Die innere Hand sollte so fein ist, dass sie weder inneres Hinterbein noch innere Schulter blockiert, aber auch hier muss die Anlehnung erhalten bleiben. Denn die korrekte Anlehnung sorgt dafür, dass das Pferd mit aktiv abfußendem Hinterbein von hinten nach vorne in die Hand schwingen kann.
Die Lektionen:
Eigentlich ist es einfach. Man muss nicht unendlich viele Lektionen beherrschen oder reiten, um Rückenprobleme beim Pferd zu vermeiden. Allein Übergänge und Tempounterschiede, Seitengänge (wie Schulterherein, Travers, Renvers langgezogene Traversalen), gebogene Linien und das in Verbindung mit Zügel aus der Hand kauen lassen sorgen dafür, dass das Pferd durch den Körper schwingt, sich loslassen kann.
Der Sattel
„Die heute sehr gefragten Tiefsitzsättel sind ein weiteres großes Problem. Sie geben dem Reiter das Gefühl, er würde tief und fest im Sattel sitzen. Das einzige, was mit diesen Sattelsystemen jedoch erreicht wird, ist ein Feststellen des Beckens, ein Einklemmen des Reiters in einer quasi unbeweglichen Position. Zwar nicht „Festgemauert in der Erden…“ wie bei Schillers Glocke, jedoch in der Bewegung blockiert. Darüber ist dann ein weiterer Grundstein für fehlerhaftes Einwirken gelegt. Und was noch viel schlimmer ist: Dadurch, dass man als Reiter in einem solchen Sattel nicht mehr locker mit der Bewegung des Pferdes mitschwingen kann, ist auch das Pferd in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Verspannungen und erste Rückenprobleme sind die zwangsläufige Folge. Mit diesen Problemen im Hintergrund wird es für ein Pferd unmöglich, locker durch den Körper zu schwingen“, erklärt Nicole Feldmann, Osteopathin für Pferde und Physiotherapeutin für Menschen.

Ein Sattel – wie auf dem Foto - der keinen tiefen Sitz und keine dicken Pauschen aufweist, ermöglicht es dem Reiter elastisch der Bewegung des Pferdes zu folgen. Sitz
Sitz und Einwirkung:
Steinbrecht schrieb in seinem Buch „Gymnasium des Pferdes“ auf mehr als 40 Seiten über Sitz und Einwirkung (und das schon im Jahre 1884). Auch Podhajsky, Seunig und all’ die anderen großen Reitmeister maßen dem Sitz eine zentrale Bedeutung bei. An der Spanischen Hofreitschule müssen die Lehrlinge zu Beginn ihrer Ausbildung noch heute über Monate Sitzunterricht an der Longe nehmen und zwar so lange bis sie von der Hand unabhängig sitzen können. Erst dann werden sie auf die „normale“ Reitbahn entlassen.
Das zeigt, der Sitz ist noch immer DIE Basis – Respektive er sollte es sein. Die Grundvoraussetzung also, um fein auf sein Pferd einwirken zu können und korrekte Hilfen geben zu können. Ein korrekter Sitz zeichnet sich dadurch aus, dass der Reiter im Schwerpunkt, losgelassen und unabhängig von der Hand sitzen kann. Dabei müssen Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Handgelenk, Hüftgelenk, Kniegelenk und Fesselgelenk des Reiters locker sein. Eine gedachte gerade Linie von den Schultern bis zum Absatz als tiefster Punkt und vom Ellenbogen bis zum Pferdemaul sollte man ziehen können (siehe Foto oben).
Die Hilfengebung:
Korrekte Hilfengebung ist nur über den korrekten Sitz möglich. Die Positionierung der Schenkel passend zur jeweiligen Übung und Lektion sowie die feine Handeinwirkung sind Voraussetzung, dass sich ein Pferd loslassen kann und der Rücken gesund bleibt. Feine halbe Paraden am äußeren Zügel in Verbindung mit dem treibenden inneren Schenkel und der weichen inneren Hand ermöglichen dem Pferd
a) an die Hand heranzutreten
b) die Nase vorzugeben und
c) elastisch von Hinten nach Vorne durch den Körper zu schwingen.
Über halbe Paraden kontrolliert man auch das Genick, die Hinterhand, die Anlehnung und das Tempo. Wenn man diese grundlegenden Dinge berücksichtigt, sein Training für die Zukunft darauf abstellt, dass sich das Pferd loslassen und entspannen kann, dann verschwinden Rückenprobleme so schnell wie sie gekommen sind und Kissing Spines haben für die Zukunft keine Bedeutung mehr. Sie sind zwar da und werden es bleiben, aber sie tun dem Pferd nicht mehr weh und man kann es – wenn man möchte – bis auf S-Niveau ausbilden und bis in ein hohes Alter reiten….
Gastartikel von
Anne Schmatelka
www.reitertipps24.com
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