Kolik und prebiotische Futtermittel


Kein Tierarzt konnte Daphnee helfen“, berichtet der zweimalige deutsche Meister der Berufsreiter Tim Rieskamp-Gödeking. Seine zehnjährige belgische Stute kolikte, sobald sie in eine Stresssituation kam. Zwei Jahre dokterten Tierärzte an dem erfolgreichen Springpferd herum, „doch auf das das einfachste Heilmittel kamen sie nicht“, stellt Rieskamp-Gödeking im Nachhinein fest und ist enttäuscht. Durch eine Empfehlung seines Trainers entdeckte der Springreiter ein prebiotisches Kraftfutter und gab es seiner kranken Stute zu fressen – mit Erfolg: „Seit der Futterumstellung kolikt Daphnee nicht mehr“, so der 26-jährige. Die Stute ist sogar wieder so fit, dass sie schwere Springprüfungen gewinnt.

„Immer mehr Pferdebesitzer greifen zu prebiotischem Futter“, sagt Roland Lang, Geschäftsführer von Hermesfutter aus Rohrdorf/Bayern. „Durch Stress, starke körperliche Belastung, einer Antibiotikatherapie oder einem plötzlichen Futterwechsel kann die Bakterienflora im Dickdarm aus dem Gleichgewicht gebracht werden.“ Die Folge: Die Verdauung wird gestört, dem Pferd geht es schlecht und die Leistung von Sportpferden sinkt; Kotwasser, Durchfall und Koliken, aber auch Hufrehe und Colitis X können auftreten. Prebiotische Futtermittel helfen die Ursachen von Verdauungsstörungen zu beheben und ldie Darmflora so zu stabilisieren, dass keine Symptome mehr auftreten und die Pferde wieder schmerzfrei leben können.

„Prebiotika dienen den Dickdarmbakterien, die das Futter verdauen, als Nahrungsquelle“, weiß Professorin Ellen Kienzle, Fütterungsexpertin von der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das Wachstum und die Aktivität der gutartigen Bakterien wird stimuliert und die Anzahl von Fäulnisbakterien und Gasbildner im Dickdarm reduziert.

Prebiotika stecken in Lauch und Chicorée sowie Topinambur – einer Wurzelknolle, die mit der Sonnenblume verwandt ist. Aus ihren blässlichen Knollen wird ein Extrakt gewonnen, das hohe Mengen Inulin enthält und für die verdauungsfördernde Wirkung verantwortlich sein soll. Professorin Monika Krüger vom Institut für Bakteriologie und Mykologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, die die Wirksamkeit eines deutschen prebiotischen Futters testete. Ihr Fazit: Die Topinamburkonzentration soll fünf Prozent erreichen, um die gutartigen Darmbakterien besser aktivieren zu können.

„Oftmals füttern Pferdebesitzer im akuten Krankheitsfall ihren Tieren Prebiotika“, beobachtet Futtermittelhersteller Roland Lang. „Manche füttern auch vorbeugend, beispielsweise wenn sie mit ihren Pferden reisen.“ Im vergangenen Jahr gaben einige Reiter ihren Sportpferden vor und während dem Flug nach Lexington zu den Weltreiterspielen prebiotisches Futter. „Alle Pferde kamen gesund und munter in den USA an. Und alle sieben deutschen, von uns gefütterten Pferde mit einer Bronzemedaille zurück.“, so Lang. Der Transportstress griff anscheinend nicht die empfindliche Darmflora an.

Der Pferdebesitzer kann jedoch auch seinem gesunden Pferd durch Prebiotika etwas Gutes tun: „Eine sechswöchige Prebiotikakur stabilisiert auch eine intakte Darmflora“, glaubt Roland Lang. „Und bereitet den Verdauungstrakt des Pferds auf die Weidesaison vor, wenn man die Kur vor dem Anweiden durchführt.“ Der Grund: Inulin, der prebiotische Inhaltsstoff in Topinambur, besteht aus Fruktose-Molekülen und ähnelt dem Hufrehe-Auslöser Fruktan. Professor Manfred Coenen, Direktor des Instituts für Tierernährung von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig vermutet: „Auch damit könnte man experimentell Hufrehe auslösen. Also müsste man es in geringen Mengen zur Gewöhnung an Gras verwenden können.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: Hohe prebiotische Kraftfuttergaben können auch die Gesundheit des Pferds beeinträchtigen. Denn die geballte Ladung Zucker kann ähnlich fatal wie eine große Portion Kraftfutter oder Gras wirken: Die Darmbakterien werden mit Inulin vollgestopft, statt sanft gefüttert zu werden. Dadurch vermehren sie sich explosionsartig, sterben und überschwemmen dann den Darm mit Giften, die über die Schleimhaut ins Blut gelangen. Dort drosseln sie den Blutstrom in den feinen Gefäßen des Hufs und führen zu Rehe.

„Geben Sie Ihrem Pferd niemals während des Anweidens prebiotisches Kraftfutter“, warnt daher Expertin Ellen Kienzle. Denn die individuelle Toleranz gegenüber Fruktan ist bei Pferden sehr unterschiedlich. Fruktanreiches Gras und Prebiotika ist quasi doppelt gemoppelt und kann im schlimmsten Fall zuviel des Guten sein und Hufrehe auslösen.

Die Gefahr ist jedoch nach Ansicht von Fütterungsexperten gering, wenn man Topinambur maßvoll füttert und nicht erst zu Beginn der Weidesaison mit dieser Art der Fütterung einsetzt.

Gleich ob die Wissenschaft noch nicht von der Wirkung prebiotischer Futtermittel überzeugt ist. Fakt ist: Bei Stute Daphnee hat es geholfen.


Gastartikel von Roland Lang
www.hermesfutter.de

 

 

 

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